Totenapfel von Hellikon

Totenapfel von Hellikon

Rettungsaktion des Naturschutzverein Hellikon

– Kulturgut soll Generationen überleben

Totenapfel von Hellikon, das hört sich mystisch an, klingt sagen- und legendenumwoben. Man könnte sich viele Geschichten zusammenspinnen, wie der Helliker Apfel zu seinem Namen kam. Die plausibelste Erklärung: Im Jahr 1875 ereignete sich in Hellikon ein dramatisches Schulhausunglück mit 76 Toten, und so wird gemutmasst, dass der Helliker Apfel im Zusammenhang mit diesem Unglück zu seinem schaurigen Namen kam.

Schaurig sieht er ganz und gar nicht aus, eigentlich wie ein ganz gewöhnlicher Apfel. Und wie schmeckt er, der Totenapfel? Ein gedehntes «Naja» ist die Antwort von Amandus Brogle, ­Vorstandsmitglied des Naturschutzverein Hellikon, der sich für die Rettung der alten Apfelsorte einsetzt. «Es ist kein ausgesprochener Tafelapfel, er ist aber in jedem Fall sehr robust und widerstandsfähig gegen Schorf, gut zu lagern und bestens fürs Mosten geeignet», fährt Amandus Brogle fort. Nun, der Geschmack ist auch nicht so wichtig, schliesslich geht es darum, ein Stück Ur-Hellikon zu bewahren. Die alte lokale Apfelsorte ist bei Pro Specie Rara registriert und wurde an der Expo 2002 ausgestellt. Es sind nur noch zwei erhaltene Bäume bekannt, einer davon steht auf einem Privatgrundstück in Hellikon. Die Ernte letzten Herbst war sehr ergiebig, das liege daran, dass es sich nicht, wie man meinen möchte, um einen «Uralt-Baum» handle. Um die alte Sorte für die Zukunft zu bewahren, wurde vor einigen Jahren ein junger Apfelbaum, dessen Wert vor allem in seinen guten Wuchseigenschaften liegt, veredelt und somit das Erbgut übertragen, informiert Brogle. Für das Veredeln braucht es sogenannte Edelreiser, denn diese tragen die Erbinformationen der Mutterpflanze in sich. Die Edelreiser werden am besten zwischen Anfang Dezember und Ende Januar geschnitten, dann, wenn die Triebe in Saftruhe sind. Im April geht es an die Veredelung – dem Andocken der Edelreiser. Die abgeschnittenen einjährigen Triebe des Helliker Totenapfels liegen bereits im Kühlraum zum Anpfropfen bereit und warten auf ihren Einsatz.

«Es wäre wirklich sehr schade, wenn die Sorte mit unserem Dorfnamen aussterben würde», so Brogle. Mit einem Aufruf ging der Naturschutzverein Hellikon diesbezüglich an die Bevölkerung. Ziel ist es, an die 15 bis 20 neue Bäume mit altem Erbgut in Hellikon zu setzen. Gesucht werden Leute, die den «Helliker Totenapfel» anpflanzen und auch Pflege und Unterhalt übernehmen. Die Resonanz ist recht gut, berichtet Amandus Brogle, «auch mit der Gemeinde sei man im Gespräch.»  – Bleibt also nur noch zu wünschen, dass der Helliker Totenapfel noch viele Generationen überlebt.  
Pro Specie Rara
Schweizerische Stiftung für kulturhistorische und genetische Vielfalt von Tieren und Pflanzen. Um 1900 gab es in der Schweiz weit über 3000 Obstsorten, heute sind es noch etwa 2000. Davon brauchen die meisten Sorten einen besonderen Schutz, da sie zum Teil nur noch auf wenigen Bäumen gedeihen. In der gleichen Zeitspanne ging die Zahl der Feldobstbäume um 80 Prozent zurück. Pro Specie Rara gibt seit über 30 Jahren Gegensteuer und engagiert sich für eine lebendige Obstvielfalt.

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